
Ein klassisches Autobelay, etwa TRUBLUE von Head Rush oder die Geräte von Perfect Descent, holt das Seil beim Klettern ein und lässt die Person danach langsam ab. Klettern muss man aber selbst, mit dem ganzen Körpergewicht.
Inzwischen gibt es Geräte, die mehr können: Sie nehmen beim Klettern einen einstellbaren Teil des Körpergewichts ab, ähnlich wie ein E-Bike beim Velofahren. So wird Kletterunterstützung möglich, und Klettern wird inklusiv: Die Wand öffnet sich für viele, für die sie bisher unvorstellbar war, ob in der Therapie, mit einer Behinderung, im Alter oder ganz am Anfang.
Wir sind überzeugt: Unterstütztes Klettern ist die Zukunft. Heute kennen wir bereits drei Anbieter, und das Thema ist gekommen, um zu bleiben. Mit diesem Beitrag möchten wir einfach zeigen, was es schon gibt. Wir entwickeln mit dem eClimber selbst eines dieser Geräte und hoffen, dass wir dabei bleiben. Doch so oder so: Jemand wird es schaffen, und davon profitieren alle, die bisher nicht klettern konnten. Alle Angaben stammen von den Webseiten und Unterlagen der Hersteller (Stand 4. November 2026).
Was ist ein unterstütztes Autobelay?
Ein unterstütztes Autobelay (englisch «assisted autobelay») ist ein Selbstsicherungsgerät mit Motor für das Toprope-Klettern. Der Motor zieht am Seil und entlastet so die kletternde Person um einen gewählten Anteil ihres Gewichts. Wie ein normales Autobelay sichert das Gerät die Person auch und lässt sie oben wieder ab.
CAMI von MBS Industry (Colmar, Frankreich)
MBS Industry aus Frankreich stellt das motorisierte Autobelay CAMI her, das Teil des Programms «Footing Vertical» ist. Laut Hersteller nimmt es bis zu 95 % des Körpergewichts ab und lässt sich auch als normales Autobelay ohne Unterstützung nutzen. Strom benötigt es jedoch auch dann. Es ist für Personen mit einem Körpergewicht von 20 bis 160 kg ausgelegt und kann in bis zu 25 m Höhe installiert werden. Wie bei vielen klassischen Autobelays kommt ein Gurtband anstelle eines Seils zum Einsatz. Bedient wird es über eine Fernbedienung am Gurtband oder eine Web-App.
Das CAMI verfügt über zwei Bremsen, die auch ohne Strom wirken: eine Fliehkraftbremse sowie eine magnetisch vorgespannte Bremse, die bei zu hoher Ablassgeschwindigkeit oder fehlender Stromversorgung aktiviert wird. Eine zusätzliche Batterie ermöglicht bei einem Stromausfall den weiteren Betrieb, ohne dass die Bremse sofort wegen fehlender Stromversorgung eingreifen muss.
Ein Not-Aus ist ebenfalls eingebaut, allerdings oben am Gerät. Er ist also da, man muss im Ernstfall nur erst an ihn herankommen. Ob das der praktischste Platz dafür ist, darf jede Person selbst beurteilen.
Zur Konformität veröffentlicht der Hersteller eine Selbstdeklaration als Medizinprodukt der Klasse I. Welche unabhängigen Sicherheitsprüfungen bereits durchgeführt wurden, geht aus den hier aufgeführten Unterlagen nicht hervor. Nach unserem Kenntnisstand läuft derzeit eine Zertifizierung beim TÜV in München. Das begrüssen wir ausdrücklich. Noch schöner wäre es aus unserer Sicht, wenn die unabhängige Prüfung vor dem Einsatz der Geräte abgeschlossen wäre. Bis dahin ist unsere Vorfreude auf das Zertifikat jedenfalls grösser als unsere Tiefenentspannung.
Denselben Massstab legen wir auch bei uns an: Die Baumusterprüfung des eClimber durch die Suva läuft derzeit noch.
Herstellerseite: mbs-industry.com
ProONE Top Rope von ProGrade (Italien)
ProGrade kennt man von ProFIVE, einem Autobelay für das Vorstiegsklettern. Mit ProONE Top Rope bietet ProGrade laut Herstellerseite ein Toprope-Autobelay mit einstellbarer Gewichtsentlastung von bis zu 40 kg an. Jede Person wählt ihre Unterstützung an einem Display am Wandfuss. Das Gerät eignet sich laut Hersteller für Wände bis 17 m. Es ist laut Herstellerseite ab Juli 2026 erhältlich.
Herstellerseite: prograde.it
eClimber (Biel, Schweiz)
Der eClimber ist an der Berner Fachhochschule entstanden und wird heute als Spin-off in der Schweiz weiterentwickelt und gebaut. Er hängt oben an der Wand wie jedes Selbstsicherungsgerät und sichert beim Toprope-Klettern Personen bis 150 kg, bis 20 m Kletterhöhe. Vor dem Start wird eingestellt, wie viele Kilo er abnehmen soll, stufenlos bis 100 kg.
Der Motor hilft, die Mechanik sichert: Eine integrierte Bremse fängt einen Sturz rein mechanisch auf. Fällt der Strom aus, hält die Bremse, und eine Feder zieht das Seil weiter ein. Der eClimber ist nach EN 18039:2026 für Autobelays sowie EN 341:2011 Klasse A ausgelegt. Die Baumusterprüfung durch die Suva läuft noch.
Für die Montage braucht es keinen Umbau der Wand: Der eClimber wird an einem Punkt an eine bestehende Aufhängung für Selbstsicherungsgeräte gehängt und lässt sich einfach an eine andere Route umhängen.
Mehr dazu auf der Produktseite.
Die Systeme auf einen Blick
| CAMI | ProONE Top Rope | eClimber | |
|---|---|---|---|
| Hersteller | MBS Industry, Frankreich | ProGrade, Italien | eClimber, Schweiz |
| Unterstützung | bis 95 % des Körpergewichts | bis 40 kg | bis 100 kg, stufenlos |
| Personengewicht | 20 bis 160 kg | – | bis 150 kg |
| Bedienung | Fernbedienung am Gurtband oder Web-App | Display am Wandfuss | Bedienpanel |
| Kletterhöhe | Installation bis 25 m | bis 17 m | bis 20 m |
| Montage | fest oben an der Wand verschraubt | fest oben an der Wand verschraubt | an einem Punkt an bestehender Autobelay-Aufhängung, ohne Umbau, an andere Routen umhängbar, Montage auf Wunsch durch uns |
| Strom | normale 230-V-Steckdose, mit Akku | – | normale 230-V-Steckdose |
| Zertifizierung | Medizinprodukt Klasse I (EU 2017/745), Konformitätserklärung des Herstellers | – | ausgelegt nach EN 18039:2026 und EN 341:2011 Klasse A, Baumusterprüfung durch die Suva läuft |
| Kauf | circa 36’000 € | – | CHF 14’870.– exkl. MwSt. |
| Miete | 599 € pro Monat exkl. MwSt., 36 Monate, nur Frankreich, inkl. Gerätetausch, Support und Software-Updates | – | CHF 220.– pro Monat exkl. MwSt., 36 Monate, inkl. Versicherung und Service |
| Miete pro Jahr | 7’188 € exkl. MwSt. | – | CHF 2’640.– exkl. MwSt. |
«–» heisst: Dazu haben wir noch keine öffentliche Angabe gefunden. Wir aktualisieren den Vergleich, sobald aktuellere Infos verfügbar sind.
Worauf Hallen achten können
- Wie viel Unterstützung braucht es? Je mehr Kilo ein Gerät abnehmen kann, desto mehr Menschen können mitklettern, auch mit starker Einschränkung. Unsere Faustregel aus der Praxis: Ideal ist ein Gerät, das rund 75 % des Körpergewichts abnehmen kann. Die Frage ist: Wie inklusiv wollen wir sein, und wie viel Inklusion können wir uns leisten?
- Zielgruppe: Geht es um Therapieklettern, um Menschen mit Behinderung, um ältere Menschen oder um Einsteiger?
- Montage: Wie einfach lässt sich das Gerät montieren? Braucht es einen Umbau der Wand oder geschultes Personal? Lässt es sich an eine andere Route umhängen?
- Service: Was bedeutet das für den Betrieb? Wer wartet das Gerät, wie oft, und wer wechselt Seil oder Gurtband? Wie aufwendig ist die Schulung des Personals?
- Strom und Sicherheit: Was passiert bei einem Stromausfall? Welche Normen und Prüfungen erfüllt das Gerät?
- Angebot: Kaufen, mieten oder zuerst testen?
Am besten probieren Sie die Geräte selbst aus. Den eClimber können Sie an Standorten in Europa ausprobieren oder zwei Monate in Ihrer Halle testen: Testphase anfragen.
Hinweis
Dieser Beitrag stammt vom eClimber-Team, also von einem der genannten Hersteller. Die Angaben zu den anderen Geräten stammen von deren Webseiten und können sich ändern. Wir aktualisieren diesen Überblick laufend. Haben wir etwas vergessen, kennen Sie ein weiteres Gerät oder hat sich etwas geändert? Melden Sie sich gerne bei uns: info@eclimber.ch.